Berichte
Paddelurlaub im Tal der Murg

(von Bianca; Dezember 2015)

1. Tag
Heute morgen bin ich einfach alleine losgefahren und dachte mir das gäbe wieder eine meinerberüchtigten Solotouren. Montag, wer hat
da schon Zeit zum Paddeln? Es gibt sie. Doch die beiden hatten Angst vor zu viel Wasser bekommen. Da half auch kein zusprechen das
es im Murgtal nicht zu viel Wasser geben kann da es genügend interessante Seiten und Oberläufe gibt die dann erst fahrbar werden.
Ich hatte jedenfalls Zeit. Die Arbeit war bereits in die Winterpause gerutscht und der Regen kam gerade richtig zu meiner geplanten
Urlaubstour. Ausgedacht hatte ich mir Irgendwo möglichst weit oben im Murgtal einzubooten und die 70 km und über 600 Höhenmeter
bis in den Rhein in mehreren Tagen hinunterzupaddeln. Mal was Anderes erleben als immer nur die beiden Klassiker „mittlere“ und „untere“. „Die mittlere werde ich eh zu Fuß überwinden müssen, in einer geplanten Urlaubstour kann man die nicht erwischen! „dachte
ich mir noch.
Im stockenden Verkehr hinter Bruchsal dann ein Anruf. „Hier Claudius, ich kann kurzfristig freimachen, ich fahr nach Hause und hol mein
Boot, bin in 2 Stunden im Tal“. Na klasse!
Dann ein weiterer Anruf. „Bei mir regnet es herein. Kannst du mal vorbeikommen?“ „Wo regnets rein?“ „Im Schuppen“ Das ist nichts
Dringendes und teile mit, dass ich am Donnerstag danach sehe. So kann ich mir mind. 3 Tage freihalten.
Die Raumünzach kann ganz schön Zeit in Anspruch nehmen. Rechts, Bildmitte: Baumverhau


Der Wasserstand ist hervorragend. Schnell ist die Tour für heute besprochen. Wir lassen an der Raumünzachmündung ein Auto stehen und
fahren hoch bis „Hundseck, Aschenplatz“. Eng und verwachsen geht es durchs Gebüsch. So wirklich lohnend ist es hier oben auf 750 m noch
nicht. Weiter unten warnt Claudius mich vor den besonderen Gefahren hier. Neben Treibholz seien das auch noch die Gnome. Ja, mit den
moosigen großen Felsen, den großen Tannen und dem dunklen Wasser könnte man es fast glauben.
Immer steiler und höher werden die Abfälle. Granitrutschen, Stufen und Rampen mit beachtlichem Höhenunterschied. Ich gebe als erstes
auf und trage, dann folgt Claudius und dann die Dunkelheit.
Die Raumünzach. Rasante Abfahrt aber noch verhältnismäßig leicht oberhalb der Schwarzenbachmündung.
Talab, in Gausbach, bei leichtem Regen und Dunkelheit checke im Gasthof „Waldhorn“ ein und erwarte einen neuen Tag, wieder alleine und
im vollkommen Ungewissen was dieser bringen mag.


2. Tag

Dauerregen. Ergiebig! 150m3 sind bereits drin, rasch auf über 200 steigend. Ich sehe mir das Schauspiel am Forbacher Sportplatz an und
sehe 2 Paddler mit Booten im steilen Hang zur Straße
gegenüber. Als der 1. oben ankommt hält dieser sofort wild mit den Armen fuchtelnd
Autos an.
Mist, da ist was passiert und die beiden sehen gesund aus! Folglich ein 3. Paddler in den Fluten? Ich laufe Flussab, beobachte den reißenden
Strom, wechsle an der 1. Brücke die Seite und gelange so
zum Ort des Geschehens oben an der Straße.
Die Murg zwischen 1.Wehr und Forbacher Sportplatz

Eine 3er Gruppe hat einen Mann verloren als dieser beim Aussteigen am 1. Wehr im Holz kenterte und sofort an der Wehrkrone noch Kopfüber im Nirgendwo verschwand. Alle 3 fanden sich zwischen Forbach und dem Schwimmbad wohlbehalten an der Straße wieder!!
Das Boot ging
verloren.

Ich mache mich auf, zu einem Ort den niemand besuchen will. Auch kein Paddler. Zum niederschlagreichsten Gebiet Deutschlands außer-
halb der Alpen, zur Rotmurg und dem Ruhestein.
Kilometerweit gehe ich zu Fuß von Obertal aus in strömendem Regen und Restschnee
Talaufwärts.
Aus allen Ecken dringt Wasser. Unglaublich was hier passiert. Der Teufelsmühlenwasserfall hat es mir angetan. Fasziniert
begutachte ich diesen aus paddlerischer Sicht. Wahnsinn! So ein Monster im
Schwarzwald zu finden! Der wird mal gepaddelt! Aber nur
wenn jemand dabei ist. Der Rückholer
links ist zwar weit ab der Fahrlinie, aber wer weiß......Damit ich doch auch noch ins Boot komme
lass ich das Kajak im Tumpf unterhalb zu Wasser und paddle ein Stück abwärts, trage wieder hoch, wage mich etwas weiter in den Tumpf
und paddle wieder ein Stück Fluss ab..........Das wiederhole
ich noch ein paar mal und taste mich dabei langsam immer weiter Flussab.
Meine Methode einen
Bach, seinen Charakter und den Wasserfall kennenzulernen. Was bleibt mir auch anderes übrig hier alleine im Wald.

Beim Abendessen im Gasthaus, der Regen hört auf, Rothenfels fällt unter 200m3. Endlich!

Einstieg unterhalb des Wasserfalls und Wasser aus allen Ecken und Enden
die „Mittlere“ -ein Traumwildwasser. Das Foto stammt aus meinem Archiv (die Kamera hatte die letzten Tage genug Wasser abbekommen)
und könnte den Wasserstand von 25 -30 m³ in etwa
treffen. Selbst bei 8 bis 12 m³ eine wunderschöne Tour, ähnlich der Loisach, nur steiler
und
größer.


3. Tag

Mittwoch morgen, der Pegel zeigt ca. 35 m³ in der „Mittleren“. Ab zum Buffet. Ich bin der einzige Gast. Forbach und die umliegenden Dörfer
sind tote Hose. Das Dorf scheint sich mit der ENBW
und Talabwärtigen Industrie selbst aufgegeben zu haben.
Oben in Kirschbaumwasen kommt auch gleich ein Paddler angefahren und hechtet sich in den Trocki. Ich bin sofort angeschlossen und bei
ca. 25-30 m³ geht es auf den 8 km langen Run durch
die genialste Wildwasserstrecke Deutschlands. Für Werktags ist heute ganz schön was
los mit
paddeln. Ich verleihe nach der Tour mein Paddel an jemanden der seines vergessen hat und genieße mein Paddlerleben bei einem
heißen Tee wobei ich auf mein Paddel warte. Zweieinhalb Stunden
Heimfahrt. Wieder ein Anruf.“Guten Tag Frau Banschbach, bei meiner
Mutter läuft die Dachrinne
nicht mehr ab und das ist verdammt hoch oben. Können sie mal danach sehen?“ Haha, dieser Regen, grinse ich
vor mich hin.
Schön war es. Mal was anderes. Es kam zwar wegen des intensiven Regen anders als geplant, aber das ist so an der Murg und ihren un-
toleranten Wasserkraftwerksbetreibern. Wer zeitlich und
paddlerisch nicht flexibel ist sollte keine Gedanken an die Murg verschwenden.
Es sei denn man
gelobt Besserung. Als Winter-Urlaubsgebiet für Paddler halte ich die Region für interessant. Es ist schon klar, dass man den
Zeitpunkt bestimmt nicht so ideal wie es bei mir war, erwischen kann. Mit
MTB oder sonstigen Plänen im Zweitgepäck aber durchaus eine
attraktive Region.

Ach ja, und mein verlorener Helm ist auch wieder aufgetaucht. Ihr seid schon toll, ihr Murgpaddler!

Bia
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