Berichte
Solo? Warum nicht?

(von Bianca; November 2015)

Alleine Paddeln wird oft als negativ bewertet. Doch was, wenn die Paddelkumpanen keine Zeit haben oder aus sonstigen Gründen niemand
verfügbar ist? Aufs Paddeln verzichten?

Ein klares Jain. Denn das muss und darf jeder für sich selbst entscheiden. Für mich kommt der Verzicht nicht in Frage. Das wäre ja wie gar
nicht paddeln, denn paddeln ist bestimmt gefährlicher als nicht paddeln. Es gilt das
Risiko zu minimieren und sich mit den Gefahren intensiv
auseinanderzusetzen. Wesentlich
intensiver als das mit der Gruppe geschieht! Und genau das ist der Punkt, was alleine auf dem Fluss
unterwegs zu sein so attraktiv
machen kann. Intensiveres Erleben von Wildwasser, Natur, sowie sein eigenes Leben.
Bei der einfachsten Strategie für Solotouren geht der Paddler von seinem persönlichen Können um mindestens einen Schwierigkeitsgrad
nach unten, auf einen Bach den er kennt. Klar, schi
ef gehen kann immer etwas. Dann sollte man aber auch gleich sein ganzes Leben aus-
schließen; so meine Meinung. Aber das muss jeder für sich entscheiden, denn auch in der Gruppe liegt das Sicherheitsbedürfnis oft weit
auseinander.

Dann die 2. Strategie. Das Abenteuer eines Flusses selbst zu entdecken. Nicht nur einen Abschnitt schweren Wildwassers in der Gruppe in
kürzester
Zeit hinunterzustürzen, nein, wie Slow Food langsam genießen mit allen Sinnen. Das geht nur alleine, in Ruhe. Sich nur zwei
Kilometer anspruch
svolles, fremdes Wildwassers in 2 Tagen erarbeiten und bis ins Detail kennenlernen. Am Anfang gibt es nur eines,
Besichtigen! Alles! Bei kleinsten Unsicherheiten von beiden Seiten. Jede Situation mit einbeziehen, was ist wenn? Fällt die Entscheidung zu
einer
Befahrung ist bei jeder Unsicherheit auf die nahende Stelle an einen erneuten Landgang zu denken. Im Zweifelsfall Umtragen! So ist
schnell mal ein Tag vorbei obwohl nur 2 Kilometer Strecke mit einigem Umtragen
gemacht wurde. Läuft man dann abends nochmals den
Fluss ab und hat ein gutes
Gefühl geht die Paddelei am nächsten Tag oft schon flüssiger und viel aussteigen ist auch nicht mehr. Gibt es ein
ungutes Gefühl
besteht ja die Möglichkeit zu einer Bergtour. Es gibt nur die eigene Stimme. Alleine sein bedeutet auch flexibel sein, mit
eigenem Gewissen und Wissen zu entscheiden und sich nicht im Gruppeneffekt irgendwo hinunterzustürzen.
Kein Wildwasser prägt meine Verantwortung, Einschätzung und Kenntnis des Flusses mehr als das Kennenlernen alleine. Nirgends befasse
ich mich so intensiv mit so unendlich viel Zeit mit den Gegebenheiten und Folgen wie
hier.
Auf der nächsten Tour im Freundeskreis machen sich solche Touren bemerkbar. Ausstrahlung von Sicherheit und Souveränität. Und vor
allem, in der Gruppe paddeln kann dann wieder ganz lustig sein.

Die meisten Paddler, ja Menschen allgemein, verbringen ihr Leben mit Geld verdienen, eilen mit dem Auto zur Freizeit, Tür auf .....Tür zu
und weg sind sie wieder. Zum Paddeln gehört das Abenteuer, die Abwechslung, das
selbst Erkunden und Erleben, die Zeit, die Ruhe und ein
gewisser K
ick.
Schade, im Mainstream dem Geld, religiösen, sowie staatlich beworbenen „Werten“ hinterherlaufen scheint der Lebenszweck. Natur und
Fluss werden zugrunde gerichtet.

Ich schwelge mal wieder in meinen Philosophien, schreib es auf, sehe auf
die HVZ, Oooh!!, Montag/Dienstag könnte ich
ja auch paddeln gehen!
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