Berichte
Roadmovie mit Kajak

(von Bianca; Juni 2015)

Loisach
Wir, Martin und ich haben uns für Freitag 12 Uhr an der Loisach verabredet. Der ideale Einstiegsbach zu einer Tour durch das westliche
Tirol und Arlberg. Martin aus der Nähe von Bamberg habe ich im Ötztal kennengelernt und erwies sich als idealer Partner für schwieriges
Wildwasser. Es schließen sich für heute noch Matthias, ein Bekannter von Martin und der alleine reisende Volker an. Martin wählt für die 2
Fahrten das Open-Boat, ich das Fahren einmal mit, einmal ohne Paddel. Es ist wenig Wasser im Bach. Die Wetterszenarien der letzten
beiden Wochen, an denen es angeblich im Süden ständig geregnet haben soll, Erdrutsche und Hochwasser, können wir nicht nachvoll-
ziehen. Zu dritt nächtigen wir an einem schönen Fleckchen zwischen Biberwier und Fernpass. Matthias ist bereits einige Tage unterwegs
zum Paddeln und will morgen weiter zur oberen Isar und dann heimwärts. Uns zieht es zu herausfordernden Gewässern. So werden wir
dann die folgenden Tage zu zweit unterwegs sein.


Die Landeckschlucht und das Sanna-Festival
Nach der Fahrt über den Fernpass sehen wir einen guten Wasserstand in der Landeckschlucht und beschließen, die Fahrt nicht wie zumeist
an der alten Schreinerei zu beginnen, sondern den oberen schwereren Kilometer auch mal zu Paddeln. Nach Besichtigung der Eingangs-
stufe, die sich neben der senkrechten Felswand durch einen 5 Meter hohen Felsen bildet und bei 120 bis 150 m³/sec. mit einer riesigen
Walze geflutet ist, paddeln wir in atemberaubender Geschwindigkeit vorbei.

Puh, auf dieser Strecke herrscht Schwimmverbot, mein Limit ist erreicht. Daher nehme ich am nächsten Doppelkatarakt doch lieber die
Chickenline.
Kurz vor dem 2. Einstieg bündelt sich der Fluss in einem furiosen Spektakel an überdimensionierten brechenden Wellen und was sonst noch so allem - ich weiß es nicht. Beim Atmen kam immer Wasser mit in den Mund, die Augen wurden ununterbrochen gespült. Ich glaube, nur
durch meinen Gleichgewichtssinn und zufällig auf der richtigen Route dahin gespült zu werden, bewahrten mich vor Schlimmerem. Die
Standardstrecke ist dann purer Spaß im Wuchtwasser. Ob ich den 1. km noch mal paddle? Weiß ich nicht!
Der Ausstieg an der Sannamündung ist erreicht. An meinem Camper sagt mir ein anderer Paddler, dass er mich schon an der mittleren Ötz
gesehen habe. „Ja, das war im letzten Herbst“. Er meint: „Entschuldigung, ich erinnere mich aber nicht mehr an dich, sondern an die
Kleiderstange im Bus“. Gelächter bei uns und den anwesenden Paddlern. Ja, manchen Luxus brauch ich!!
Am frühen Samstagabend trafen sich dann die Wassersportler, die in der Region unterwegs waren zum Sanna-Festival mit Protestfahrt auf
der Sanna gegen die Zerstörung der Flüsse durch die Kraftwerksbetreiber. Obwohl mit 37 m³ auch ein wuchtiger Bach bis Wildwasser 4,
war das jetzt nur noch ein amüsanter Wellen und Walzenritt zum Entspannen mit anschließendem Rockkonzert und Gewitterregen. Bei der
vorhergehenden Tombola hätte ich ein Rettungsmesser gewonnen, tja, wenn ich mein Los nicht verschlampt hätte. Ich nehm‘s leicht, habe
ja schon ein solches. Und
Martin gewinnt dann doch tatsächlich ein Paddel.
Mountainbike

Sonntagmorgen. Wir beschließen heute neue Bäche zu erkunden, fahren hoch nach „Stäntn“ am Arlberg, radeln die Rossanaschlucht hoch
und wieder zurück
, um dann mit den Kajaks wiederzukehren.
Eine kurze Fahrt über die letzten Stufen der Schlucht. Weiter geht es nach Lech zur Einstiegstelle der Lechschlucht, die morgen auf der
Wunschliste steht. Heute geht’s noch per Rad Tal aufwärts zur Erkundung des Formarinbaches. Es scheint ein einfacher bis mittelschwerer
Bach für eine Hochwassertour zu sein. Die tolle Landschaft liegt jedoch im 6er Bereich.
Die Lechschlucht

Montagmorgen 8 Uhr, das erste Sonnenlicht fällt in unseren Schlafplatz direkt am Beginn der Lechschlucht. Wir stellen ein Auto nach Warth
und kehren zurück nach Lech, wo wir die Fahrt ins Abenteuer beginnen. Munter dahinplätschernd geht es immer tiefer in das einge-
schnittene Waldtal.
Nach dem letzten Steg sind wir nun in der Wilden Schlucht, kein Weg führt nun mehr rein noch raus. Nur als Paddler, der sich auf alpines
Wildwasser im oberen Schwierigkeitsgrad einlässt, gelangt man in diese Wildnis.
Die erste Klamm - aussteigen und scouten. Ein wuchtiger Schwall mit Walzen, der sich am Ende in verblocktem Wasser auf 1,5 m verengt
mit überhängender Felswand fahrbar. Nach kurzer Erholung und munterem Wildwasser folgt die 2. Klamm. Ein Ausstieg aus der Schlucht
wäre unter größter Anstrengung möglich, jedoch eine Einfahrt in die nur wenige Meter breite Klamm, in die das Wasser mit Kraft und Ge-
töse einströmt und im uneinsichtigen Dunkel der Felswände verschwindet, bedeutet bei der Weiterfahrt Zwangspassage. Ein Zurück gegen
die Strömung, die nassen, ausgewaschenen senkrechten Klammwände hoch, ein Anlanden - alles unmöglich, es gibt nur noch ein Vorwärts,
egal was da komme. Ein Baumverhau, Lawinenreste; das wäre fatal. Aber als erfahrene Alpinpaddler haben wir ja die Nervenstärke, um
kurzfristig zu improvisieren.
Klammende, sofort folgt ein Katarakt, der mit Wildwasser 5 bis Grenze der Befahrbarkeit aufwartet. Wir umtragen. Die weitere Reihenfolge
kann ich nicht mehr nachvollziehen. Eine weitere Klamm als 2,5 m breite Zwangspassage, wir müssen durch, auch wenn da drin eine fette
Walze warten sollte....., wieder nicht einsehbar, was da kommen mag und eine weitere Umtragestelle folgt. Martin stürzt das Boot ab. Kurz
vor dem Wasser bleibt es in einem Felsverhau liegen. Martin rutscht hinterher, nochmal gut gegangen. In einer weiteren Steilrinne über
dem tosenden Wasser finde ich kein Weiterkommen. In der einen Hand das Boot, in der anderen ein Ast, der mein einziger Halt ist. Martin
hinter mir. Bevor wir beide abstürzen, muss schnell eine Seilsicherung mit Wurfsack und Karabiner improvisiert werden. Doch wie, wenn
man die Hände nicht frei hat? Es gelingt und wir retten uns auf einen bewaldeten
Felsvorsprung, von wo wir die Boote dann auf der anderen
Seite zum Wasser abseilen.
Nach 3 km und 3 Stunden in der Schlucht erreichen wir den Steg über den Lech der uns hinauf nach Warth führen soll. Doch wir erwischen
den falschen Weg und bis wir die Kajaks und uns aus der Schlucht haben, vergehen noch weitere Stunden. Die
Lechschlucht, das ist ganz
großes Kino und nicht das letzte Mal das ich hier gepaddelt bin.
Martin tritt die Heimreise wie geplant an, ab jetzt bin ich alleine unterwegs. Als Ausgleich für die Strapazen erreiche ich meinen
Nächtigungsplatz mit fließend Wasser zum Waschen und grandioser Aussicht bei Pettneu umso schneller. Hier schlägt der Frauenbonus
durch. Wohlwollend werde ich von den Heu machenden Bauern beobachtet, gegrüßt und gefragt woher, wohin… und zum Schluss noch
gelobt, für den schönen Platz, den ich mir zum Schlafen ausgesucht habe.
Guten Morgen Hoher Riffler!


Nein, ich will heute nicht Bergsteigen, sondern erwache mit grandioser Aussicht auf diesen Berg.
Dienstag, Ruhetag. Beim Frühstück kommt der Bauer schon vom Wiese mähen zurück, grüßt und fragt, wie ich den geschlafen hätte. „Gut!
Ich hab Sie heute Morgen gar nicht gehört“ Er lacht und meint: „Vielleicht hätt i an Bus mal rannklopfen solln.“
Auf der Weiterfahrt nach Landeck fahre ich mir noch selbst über meinen Campingstuhl, filme den Pianser Schwall mit einer Paddlergruppe,
fahre weiter und hoffe, auch noch ein paar Aufnahmen von der Landeckschlucht in den Kasten zu bekommen. Schreiben, filmen und dabei
entspannen, das gehört zu meinen Regenerationsphasen. Ins Schuhgeschäft wollte ich ja heute auch noch, ziehe es aber vor, mich an den
Innstrand zu setzen. Die Hitze ist heute enorm. Finde es Klasse, wenn man eine Woche frei machen kann, wenn das Wetter passt und nicht
wenn es der Plan vorgibt. Da heute anscheinend niemand hier paddeln will und ich mir klar bin, wie es weiter geht, fahre ich doch noch
nach Imst zum Shoppen und weiter zur Loisach. Ich will lieber auf leichtem Wasser entspannten Spaß haben, als mit Fremden, deren
Gefahrensichtweise ich nicht kenne, mich auf Gletscherwasser irgendwo hinunterzustürzen. Damit es dann doch nicht ganz so einfach wird,
lasse ich mich alleine ohne Paddel die „Griesener“ hinuntertreiben.
Morgen soll es dann nochmal ohne Paddel die Loisach runter gehen und in der Nachmittagshitze möchte ich in eine Klamm zum Canyoning
einsteigen…
Soweit meine Idee, die ich am nächsten Tag auch in umgekehrter Reihenfolge umsetze.
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